BEST PRACTICE

Smart City: Digitalisierung steigert die Nachhaltigkeit in der Wasserversorgung

Jörg Hammann (links) und Daniel Theurer (rechts), die beiden Ge-schäftsführer von Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH.

Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH finden Wasserlecks mit digitalen Technologien

Die Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH ist in vielen Unternehmensbereichen digital aufgestellt – von den Büroabläufen über die interne Kommunikation bis hin zu den Hilfsmitteln bei der Lecksuche. Damit tragen sie zur Vision einer „Smart City“ bei. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell

Die Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH ist in vielen Unternehmensbereichen digital aufgestellt – von den Büroabläufen über die interne Kommunikation bis hin zu den Hilfsmitteln bei der Lecksuche. Damit tragen sie zur Vision einer „Smart City“ bei. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell

Jörg Hammann (links) und Daniel Theurer (rechts), die beiden Geschäftsführer von Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH.

Jörg Hammann (links) und Daniel Theurer (rechts), die beiden Geschäftsführer von Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH.

Vor mehr als 30 Jahren wurde die Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH im idyllischen Bad Bergzabern an der Südlichen Weinstraße von Carl Hammann gegründet. Sein Sohn Jörg Hammann leitet das Unternehmen heute gemeinsam mit seinem Kollegen Daniel Theurer. Die beiden Unternehmer haben in den letzten Jahren enorm in die eigene Zukunft investiert. Der Dienstleister für Wasserversorgung ist nun in vielen Bereichen digital unterwegs – im Büro inklusive des Kundenmanagements, in der internen Kommunikation sowie im Außendienst und beim Aufspüren von Wasserlecks.

Trotz aller digitalen Technologien sind sich die Geschäftsführer einig: „Unsere Mitarbeiter mit ihrem Knowhow, ihrer Erfahrung und ihrer Intuition machen den wahren Erfolg unseres Unternehmens aus. Digitalisierung ist bei uns aber ein wichtiges Hilfsmittel zur Unterstützung der Mitarbeiter und zur Verbesserung der Geschäftsprozesse.
Durch die Digitalisierung erzielen wir bessere Ergebnisse und erhöhen die Kundenzufriedenheit.“

Wassernachhaltigkeit als Teil der Smart City

Das Thema Nachhaltigkeit des Wasserverbrauchs, d.h. kein Wasser zu verschwenden, ist ein wichtiges Anliegen in der Gesellschaft. Somit ist es auch das übergeordnete Ziel von Hammann + Theurer, Wasserverluste zu minimieren. Eine Lecksuche wird dann notwendig, wenn von gefördertem Wasser beispielsweise nur 75 Prozent beim Kunden ankommen. Das restliche Wasser geht verloren, indem es im Boden versickert. Die Ursache – häufig in Form von Rohrbrüchen – zu finden, ist dementsprechend ein Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit der Ressource Trinkwasser.

„Digitale Technologien wie Zählertechnik und Drucksensoren erleichtern es den öffentlichen Wasserversorgern, Wasserverluste zu erkennen und rechtzeitig Maßnahmen dagegen einzuleiten. Durch die Digitalisierung ist vieles miteinander vernetzt und so erhalten auch wir mobile Daten zu Wasserständen und können im Notfall schneller reagieren“, so Theurer.

Damit trägt der Dienstleister zur Zukunftsvision „Smart City“ bei. In einer solchen Entwicklung zu intelligenten Städten sorgen technologische sowie gesellschaftliche Innovationen dafür, dass Städte effizienter, grüner und fortschrittlicher werden. „Die gesamtheitliche Vernetzung spielt bei Smart City die entscheidende Rolle. Dieser Aspekt hat die Trinkwasser-Branche bereits erreicht. Daten werden sensibler erfasst und ausgewertet, um Wasser zu sparen. Damit sind Wasserversorger ein Teil dieser großen, digitalen Entwicklung “, ergänzt Hammann.

Rohrbrüche entstehen durch Materialermüdung oder durch Temperatur bedingte Bodenbewegungen – im Winter wie im Sommer. Die moderne Messtechnik von Hammann + Theurer trägt zur effizienten Lecksuche und damit zur Wassernachhaltigkeit bei. Foto Rohrbruch: ©Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH

Rohrbrüche entstehen durch Materialermüdung oder durch Temperatur bedingte Bodenbewegungen – im Winter wie im Sommer. Die moderne Messtechnik von Hammann + Theurer trägt zur effizienten Lecksuche und damit zur Wassernachhaltigkeit bei. Foto Rohrbruch: ©Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH

Rohrbrüche entstehen durch Materialermüdung oder durch Temperatur bedingte Bodenbewegungen – im Winter wie im Sommer. Die moderne Messtechnik von Hammann + Theurer trägt zur effizienten Lecksuche und damit zur Wassernachhaltigkeit bei. Foto Rohrbruch: ©Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH

Lecksuche früher und heute

Ein Wasserleck wird traditionell über die Akustik gesucht. „Früher ist der Wassermeister nachts von Hydrant zu Hydrant gelaufen und hat mit einfachen Hilfsmitteln gelauscht, ob etwas rauscht oder pfeift. Auf diese Weise hat er das gesamte Netz überprüft und Lecks identifiziert“, beschreibt Hammann.

Heutzutage benutzen Lecksucher ein ganzes Bündel von Technologien. Besonders ausgereift ist die Korrelations-Methode – eine Kombination aus Akustik und computerunterstützter Datenauswertung. Hammann + Theurer untersucht Trinkwasserleitungsnetze systematisch mit einem selbst entwickelten Hochleistungs-Korrelationssystem. Der Techniker ist dabei im jeweiligen Gebiet mit einem Messwagen unterwegs. Zusammen mit dem netzkundigen Lotsen platziert er die Schallaufnehmer auf Armaturen und Hydranten, um lückenlose Zwei-Punkt-Messungen sicher zu stellen. Daniel Theurer, verantwortlich für die Neuentwicklungen im Unternehmen, erläutert: „Wenn jemand einen Wasserverlust hat, müssen die Lecks schnellstmöglich gefunden werden. Und das garantieren wir mit unserer Methode.“

Als digitale Innovation wurden in den zurückliegenden Jahren sogenannte Geräuschlogger präsentiert. Die kleinen Metalldosen werden per Magnet unter der Straßenoberfläche und damit unsichtbar an Hydranten und Streckenschiebern befestigt. Sie nehmen nachts über einen MP3-Recorder die Geräusche im Leitungsnetz auf und übermitteln sie auf verschiedenen Übertragungswegen an den Wasserversorger. Ein Programm erkennt automatisch ein Geräuschmuster und identifiziert im Optimalfall Anomalien wie zum Beispiel pfeifende Leckstellen.

„Wir hatten wirklich Sorgen, dass diese digitalisierte Lecksuche unser Unternehmen gefährdet. Deshalb haben wir uns 40 solcher Geräte mit kompletter Übertragungstechnik angeschafft, um sie selbst in der Praxis zu testen. Die Geräuschlogger haben weniger Lecks gefunden als tatsächlich vorhanden waren. Relativ sicher können sie mittlere und größere Lecks auf metallischen Hauptleitungen erkennen. Deutliche Schwächen haben sie auf PVC-Leitungen und vor allem auf nicht-metallischen Hausanschlussleitungen aus PE. Es bleiben also Prüflücken, außerdem sind die Investitionskosten sehr hoch und das technische Material altert wegen der ungünstigen Umfeldbedingungen schnell“, erklärt Hammann.

Der Dienstleister für Wasserversorgung setzt zur digitalen Lecksuche ein selbst entwickeltes Hochleistungs-Korrelationssystems ein, das Akustik und computerunterstützte Datenanalyse kombiniert.

Der Dienstleister für Wasserversorgung setzt zur digitalen Lecksuche ein selbst entwickeltes Hochleistungs-Korrelationssystems ein, das Akustik und computerunterstützte Datenanalyse kombiniert.

Der Dienstleister für Wasserversorgung setzt zur digitalen Lecksuche ein selbst entwickeltes Hochleistungs-Korrelationssystems ein, das Akustik und computerunterstützte Datenanalyse kombiniert.

CRM sorgt für transparente Kundenbeziehungen

Neben den digitalen Technologien auf der Baustelle werden bei Hammann + Theurer auch die Büroabläufe schrittweise digitalisiert. Ein zentrales Element ist das CRM-System (Customer-Relationship-Management), über das die Informationen aus Kundenkontakten systematisch erfasst werden. In dem Programm sind alle Daten zu Aufträgen und administrativen Aufgaben wie Rechnungen usw. digital hinterlegt. „Auch unsere Kunden fordern die Digitalisierung, denn viele möchten Rechnungen nicht mehr in Papierform erhalten. Entsprechend bedeutet Digitalisierung auch, zukunftsfähig zu bleiben“, sagt Theurer.

„Dokumentation ist ebenfalls ein sehr wichtiges Thema bei uns. Zu jedem Auftrag werden Messberichte angefertigt. Mittlerweile natürlich komplett digital. Dafür haben wir eine eigene Dokumentationssoftware, in der alle Informationen gespeichert und systematisiert sind. Diese Berichte werden digital ans Wasserwerk oder Bauamt übermittelt“, fügt Hammann hinzu.

Auch vor Ort unterschreibt der Kunde nicht mehr händisch auf Papier mit Durchschlag, um den Arbeitsabschluss zu bestätigen. Stattdessen werden die Aufträge zu 70 Prozent digital auf einem sogenannten SignoPad – vergleichbar mit einem Tablet – signiert und damit als pdf ins Dokumentenmanagement eingepflegt.

Ein weiteres Programm zum Prozessmanagement ermöglicht es, mit Hilfe von Geodaten die Leckpositionen und Zusatzinformationen auf einer digitalen Landkarte zu platzieren. Diese können vom Kunden dann in einer Web-Datenbank eingesehen und weiter bearbeitet werden.

„Grundsätzlich sind die Wasserversorger im Umgang mit Daten sehr vorsichtig. Was auch verständlich ist, wenn man bedenkt, welche Auswirkungen bestimmte Informationen haben können. Die Wassernetze sind eine überlebenswichtige Infrastruktur, die schutzlos im Untergrund liegt. Wenn die Leitungspläne öffentlich wären, bestünde die Gefahr, dass jemand die Wasserversorgung sabotiert“, merkt Theurer an.

Bei Hammann + Theurer sind verschiedene Programme im Einsatz, die zur Optimierung des Prozessmanagements beitragen.

Bei Hammann + Theurer sind verschiedene Programme im Einsatz, die zur Optimierung des Prozessmanagements beitragen.

Bei Hammann + Theurer sind verschiedene Programme im Einsatz, die zur Optimierung des Prozessmanagements beitragen.

Interne Kommunikation trotz Außendienst

Über eine Chat-App tauschen die Mitarbeiter des Dienstleisters ihre Erfahrungen aus.

Über eine Chat-App tauschen die Mitarbeiter des Dienstleisters ihre Erfahrungen aus.

Bei einem Dienstleistungsunternehmen mit überwiegendem Außendienst bieten mobile und digitale Programme die Möglichkeit, die Mitarbeiter untereinander zu vernetzen. Alle Mitarbeiter bei Hammann + Theurer besitzen ein Diensthandy, über das nicht nur E-Mails abgerufen oder Fotos zur Dokumentation gemacht werden können, sondern das auch zum Erfahrungsaustausch mit den Kollegen genutzt wird.

„Wir verwenden den Instant-Messaging-Dienst ‚Threema‘ für die interne Kommunikation. Wenn ein Mitarbeiter bei einer Aufgabe nicht weiterkommt, können ihm die Kollegen spontan mit Tipps weiterhelfen. Dank der Digitalisierung ist niemand mehr im Außendienst komplett auf sich alleine gestellt“, erzählt Hammann.

„Darüber hinaus beschwingt diese hierarchiefreie Gruppe unser Unternehmen,
denn die Mitarbeiter geben sich auch Feedback und lernen gegenseitig voneinander“, ergänzt Theurer.

Projekt mit dem Kompetenzzentrum Kaiserslautern

Viele Dokumente liegen bei Hammann + Theurer bereits digital vor, z.B. die Messberichte. Zukünftig soll auch der Einsatzkalender digitalisiert werden; dabei unterstützt das Kompetenzzentrum Kaiserslautern.

Viele Dokumente liegen bei Hammann + Theurer bereits digital vor, z.B. die Messberichte. Zukünftig soll auch der Einsatzkalender digitalisiert werden; dabei unterstützt das Kompetenzzentrum Kaiserslautern.

Bei Hammann + Theurer treiben die Mitarbeiter und die Geschäftsführung gemeinsam die Digitalisierung voran. Zukünftig sollen noch weitere Bereiche in dem Unternehmen digitalisiert werden – unter anderem der Einsatzkalender zur Projektplanung pro Monat. Dazu arbeitet der Wasserversorger mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern in einer Ideenwerkstatt ein Konzept aus, wie dieser Einsatzplan papierlos umgesetzt werden kann.

„Dieser Einsatzkalender muss viele Anforderungen erfüllen, die wir bisher nur auf dem Papier abbilden konnten. Er muss sehr flexibel und dennoch übersichtlich sein, weil sich häufig spontane Änderungen ergeben: Aufträge müssen ergänzt werden oder Mitarbeiter anders zugeordnet werden. Jetzt wollen wir aber mit der Unterstützung des Kompetenzzentrums eine digitale Lösung finden“, so Hammann.

Erfahrungsaustausch nimmt Angst vor Digitalisierung

Die Unternehmer empfehlen ihren Kollegen aus dem Mittelstand, auch Schritt für Schritt mit der digitalen Transformation zu beginnen. Vor allem den Erfahrungsaustausch mit anderen Kollegen aus kleinen und mittleren Betrieben schätzen sie als hilfreich ein, um Hemmungen gegenüber der Digitalisierung abzubauen. „Wir können die Ängste vor der Komplexität des Themas und wegen der Kosten aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Allerdings sollte man sich davon nicht abschrecken lassen und mit einem kleinen Pilotprojekt starten. Dabei hilft auch der Austausch mit anderen Unternehmern, um voneinander zu lernen“, fassen Hammann und Theurer zusammen.

Unternehmenssitz: Bad Bergzabern
Mitarbeiter: 17
Gegründet: 1986

Die Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH ist ein Dienstleister im Bereich der Wasserversorgung. Zu dem Kerngeschäft des mittelständischen Unternehmens zählen die Lecksuche, die Leitungsortung, der Technologie-Service und Hydrantentests. Mit dem selbst entwickelten Hochleistungs-Korrelationssystem DF 8000 ist es das Ziel von Hammann + Theurer, nachhaltig Wasserverluste zu minimieren.


Über das Unternehmen: Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH

Unternehmenssitz: Bad Bergzabern
Mitarbeiter: 17
Gegründet: 1986

Die Hammann + Theurer Wassertechnik GmbH ist ein Dienstleister im Bereich der Wasserversorgung. Zu dem Kerngeschäft des mittelständischen Unternehmens zählen die Lecksuche, die Leitungsortung, der Technologie-Service und Hydrantentests. Mit dem selbst entwickelten Hochleistungs-Korrelationssystem DF 8000 ist es das Ziel von Hammann + Theurer, nachhaltig Wasserverluste zu minimieren.
https://hptwt.de/

Autorin: Fabienne Bosle