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„Letztendlich sind Digitalisierung und KI nur Werkzeuge“

Jonas Metzger (links) und Florian Mohr, neuer und ehemaliger Leiter des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Kaiserslautern.

Jonas Metzger (links) und Florian Mohr, neuer und ehemaliger Leiter des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Kaiserslautern (Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern).

14. April 2021 – Führungswechsel beim Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern: nach etwas über zwei Jahren verlässt der bisherige Leiter Florian Mohr das Kompetenzzentrum Kaiserslautern und widmet sich neuen Herausforderungen. In seiner Zeit als Leiter hat er das Zentrum erheblich weiterentwickelt und die Identität verfestigt. Sein Nachfolger wird der langjährige Mitarbeiter Jonas Metzger. Zum Abschied von Florian und der Einführung von Jonas haben sich die beiden in einem lockeren Gespräch mit der Pressereferentin, Larissa Theis, zu ihrer Arbeit im Zentrum und der Digitalisierung im Mittelstand ausgetauscht.

Larissa: Florian, wie lange warst du jetzt beim Kompetenzzentrum? Und wie hat sich das Zentrum seitdem entwickelt?

Florian: Also ich bin ziemlich genau vor vier-ein-Viertel-Jahren zum Kompetenzzentrum dazugestoßen und habe zuerst den Bereich Qualifizieren und später auch Umsetzen aus der SmartFactory-Perspektive begleitet. Gute zwei Jahre war ich dann Leiter des Kompetenzzentrums. Es ist erstaunlich, was wir in der Zeit alles geschafft haben. Vor viereinhalb Jahren war das Kompetenzzentrum noch ganz am Anfang. Wir hatten viel personellen Wechsel zu Beginn und haben es dann geschafft, ein konstantes, stabiles Personalkonzept aufzubauen. Schließlich haben wir auch unsere Leistungen zur Zielgruppe gebracht, diese Marke, die Sichtbarkeit aufgebaut. Da ist natürlich sehr viel Arbeit reingeflossen, die Formate und Inhalte dafür zu entwickeln und Kooperationen aufzubauen.

Larissa: Waren das aus deiner Sicht die größten Herausforderungen?

Florian: Ja. Das sind vor allem Herausforderungen, die viele nicht sehen. Also wenn man jetzt über das Kompetenzzentrum redet, als Digitalisierungsvorreiter, dann sieht man vor allem diese technische Perspektive, Stichworte Vernetzen und Industrie 4.0. Nur was es bedarf, um unser Wissen und unsere Expertise überhaupt in die Zielgruppe rein zubekommen, ich glaube das hatten die wenigsten auf dem Schirm. Das heißt, was dieser, heute würde man sagen “Transfer”, bedeutet, das mussten wir selbst auch erst lernen. Und ich glaube, das ist ein Erfolgsrezept für uns, dass wir das nachhaltig bei uns integriert und da eine starke Basis entwickelt haben.

„Eins ist klar: Wir sind ganz vorne dabei mit dem Kompetenzzentrum, was das Thema Mitarbeiter angeht. Viele, auch gestandene Beraterhäuser schauen fast neidisch auf unser Personal.“

Larissa: Was, würdest du sagen, hast du persönlich aus dieser Zeit gelernt?

Florian: Ich habe ein viel breiteres Bild über die wahren Probleme der KMU bekommen. Ich kam mit viel Industrieerfahrung hier her. Das waren aber Großkonzerne und in KMU reinzuschauen, wo sind deren Probleme, das war ein ganz wichtiger Faktor. Und zu sehen, dass die technische Expertise, die Viele im Studium lernen, nur ein Aspekt von Digitalisierung ist. Es funktioniert am Ende nur, wenn man dieses ganzheitliche Sehen hat, für das wir stehen, also den Menschen, die Organisationskultur, das Geschäftsmodell und eben die Technik. Und das, glaube ich, war für mich sogar der größte Lerneffekt, den ich selbst erfahren  und dann wiederum weitergeben durfte.

Larissa: Schön, vielen Dank für diesen Einblick Florian. Dann weiter zu dir Jonas. Du bist jetzt auch schon ein paar Jahre als Mitarbeiter dabei.

Jonas: Knapp drei, ja.

Larissa: Und jetzt wirst du die Leitung übernehmen. Was bedeutet das für dich? Und freust du dich darauf?

Jonas: Ich freue mich natürlich riesig, vielleicht das als allererstes. Was es für mich bedeutet – ich habe es schon öfter gesagt – ein großes Stück Wertschätzung meiner Person gegenüber, aber insbesondere auch meiner und unserer bisherigen Arbeit gegenüber. Ja, es ist viel Bestätigung, dass das, was wir in letzter Zeit umgesetzt haben, Erfolg mit sich gebracht hat. Und dass wir jetzt in diese Richtung weitergehen dürfen.

Larissa: Was war bisher dein Aufgabenbereich im Kompetenzzentrum?

Jonas: Ich war im Bereich Strategie und Geschäftsmodelentwicklung, also dieser betriebswirtschaftlichen Komponente des Zentrums, beheimatet. Ich habe da im Bereich Umsetzen in Workshops und kooperativen Projekten mit Unternehmen zusammen Strategien und Geschäftsmodelle analysiert und entwickelt, um die Digitalisierung so in das Geschäftsmodell des Unternehmens einzubetten. Außerdem habe ich im Bereich Qualifizieren Workshops, Online-Webinare und Schulungen gegeben.

Digitalisierung bedeutet nicht, dass man ein IT-System einführt und damit fertig ist. Digitalisierung erfordert ein ganzheitliches Anpassen des Unternehmens. Und genau da möchte ich ansetzen.“

Larissa:  Was würdest du sagen, wie hilft dir deine bisherige Erfahrung, jetzt diese Rolle zu übernehmen und was sind die größten Herausforderungen, denen du dich gegenübersiehst?

Jonas: Ich denke es hilft mir viel, dass ich über die Jahre, die ich schon mitwirke, ein ganz gutes Verständnis davon bekommen habe, was mittelständischen Unternehmen wirklich hilft. Nicht nur, was gerne gesagt wird oder das, was sie selbst vielleicht auch denken, was ihnen helfen könnte, sondern was ihnen auch wirklich Erfolge bringt. Oder was Best Practices in diesem Bereich sind, die wir bei unserer Zielgruppe im Bereich der Digitalisierung vermehrt umsetzen durften. Diesen Erfahrungsschatz bringe ich natürlich mit. Und was die Herausforderungen angeht: wir stehen jetzt an einem Punkt, an dem wir uns neu aufstellen dürfen, an dem jetzt auch seit ein, zwei Jahren digitale Kooperation oder digitales Arbeiten auch im Zentrum vorherrscht. Und das hat auch das Angebot sicherlich ein bisschen umgestellt. Und ich glaube, wir sehen uns den Herausforderungen entgegengestellt, dass in Zukunft wahrscheinlich etwas mehr Strukturen von uns verlangt werden. Wir müssen das Ganze, was bisher immer ganz hervorragend an der Kaffeemaschine und im persönlichen Austausch stattfinden konnte, auf die digitale Ebene heben.

Larissa: Alles klar, danke. Dann habe ich noch eine Frage für dich, Florian. Du hast auch mitbekommen, wie jemand anderes das Zentrum geleitet hat und hast dann die Führung übernommen. Und was würdest du sagen, hast du verändert? Was ist dein Stil oder deine Handschrift, die dich auszeichnet?

Florian: Also erst einmal muss ich sagen, dass ich das Zentrum in einem super Zustand übernommen haben. Ich hatte mir die Mission gesetzt, das Zentrums nicht nur zu übernehmen, sondern auch weiter auszubauen, damit wir danach eine Expertise haben, die wir weiterhin der Zielgruppe zur Verfügung stellen können. Und das ist vielleicht auch das, wo ich sage, da habe ich aus meiner Sicht nochmal eine Prise dazugeben können – beim Mindset. Wir sind ja unterschiedliche Konsortialpartner, aber da wirklich zu sagen, jeder soll Teil dieses, heute wird man vielleicht sagen „digitalen Unternehmens“ sein. Mir war es auch extrem wichtig, die handelnden Personen schnell in die Verantwortung zu holen. Das heißt, auch jungen Leuten durchaus eine Perspektive zu eröffnen. Eins ist klar: Wir sind ganz vorne dabei mit dem Kompetenzzentrum, was dieses Thema angeht. Viele, auch gestandene Beraterhäuser schauen fast neidisch auf uns und unser Personal. Das Personal wächst ja nicht gerade auf Bäumen in diesem Bereich.

Gleichzeitig war es mir wichtig, unser Netzwerk noch weiter auszubauen. Und zwar in strategischer Art und Weise. Das heißt, die Digital Hubs mit an Bord zu holen und auch mit anderen Landesinitiativen Verknüpfungen aufzubauen. So verwirren wir die Unternehmen nicht mit zahllosen Angeboten, sondern stellen einen starken, vereinten Partner dar. Auf diesen Punkt habe ich immer sehr viel Wert gelegt und würde behaupten, wir haben uns zu einem Hauptansprechpartner für das Thema Digitalisierung in Rheinland-Pfalz entwickelt. Egal, ob wir KMU mit unseren Leistungen direkt weiterhelfen können oder ob wir wissen, wer ihnen weiterhelfen kann.

Jonas Metzger: „Die größte Herausforderung ist, dass uns Zeiten gegenüberstehen, in denen mehr Struktur gefordert wird. Hier müssen wir uns exzellenter im Bereich des digitalen Zusammenarbeitens aufstellen.“ 

Larissa: Vielen Dank für diese Einblicke Florian! Ich würde an dieser Stelle die nächste Frage an dich stellen Jonas. Was sind die Punkte, die du ins Zentrum einbringen willst? Was willst du beibehalten? Und was ist ein Faktor, bei dem du sagst, das würde ich gerne ein bisschen anders entwickeln?

Jonas: Zum Thema Beibehalten: Florian hat es eben schon gesagt, der Teamgeist ist genial. Und ebenso wie Florian eben dargestellt hat, dass er ein hervorragendes Zentrum übernommen hat, glaube ich, dass ich noch ein weit besseres Zentrum übernehme, was Teamgeist und Zusammenhalt angeht. Das möchte ich noch weiter intensivieren. Eben durch diese verbesserte digitale Kommunikation im digitalen Austausch auf zwischenmenschlicher Ebene. Und dennoch, wie gesagt, die größte Herausforderung ist, dass uns Zeiten gegenüberstehen, in denen mehr Struktur gefordert wird. Hier müssen wir uns exzellenter im Bereich des digitalen Zusammenarbeitens aufstellen. Bisher ließen sich viele Sachen so umsetzen, dass wir unser bestehendes Angebot in die digitale Kommunikation überführt haben. Aber ich glaube jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo diese Überführungen nicht mehr reichen.

Larissa: Ja, sehr guter Punkt.

Florian: Vielleicht darf ich gerade da noch mit einhaken. In dieser Corona-Situation, die viele Unternehmen stark trifft, ist das digitale Arbeiten wirklich ein großes Spannungsfeld. Auf der einen Seite sind die Auftragsbücher immer noch voll oder sogar noch voller und auf der anderen Seite herrschen große Restriktionen, die den normalen Arbeitsalltag einschränken. Und dieses „digital miteinander arbeiten“ scheint ein Schlüsselfaktor zu sein, den wir schon länger auf der Agenda haben. Aber gleichzeitig können wir in Zukunft noch viel mehr als lebendes Beispiel vorausgehen: den Unternehmen wirklich zeigen, wie es funktionieren kann.

Larissa: Also das, was wir predigen, auch selbst umsetzen.

Florian: Ja, so dass das Unternehmen sieht, was bei uns funktioniert und das einfach adaptieren kann. Lernen am Modell.

Larissa: Ein sehr guter Punkt. Florian, bei dir persönlich würde mich noch interessieren, wie es jetzt beruflich weitergeht?

Florian: Ich habe ja immer gesagt, ich habe im Lotto gewonnen.

Larissa: Das wäre natürlich schön.

Florian: Erstmal habe ich noch ein bisschen Resturlaub und freue mich darauf, durchzuatmen und nach dieser sehr, sehr schönen aber auch sehr fordernden Zeit mal runterzufahren. Einfach mal ein bisschen Zeit mit der Familie genießen. Und danach werde ich das Mindset, welches wir im Kompetenzzentrum entwickelt haben, weitertragen, um den Bereich industrielle Fertigung bzw. Automotive auch auf die Digitalisierung vorzubereiten. Und dort das, was wir jetzt für KMU angewendet haben, auch in größere Konzernstrukturen, wo es nochmal ganz andere Restriktionen gibt, reinzubringen. Denn ich glaube die Digitalisierung ist das beste Werkzeug, was wir aktuell zur Verfügung haben, um den aktuellen Herausforderungen Herr zu werden. Damit meine ich nicht nur die Coronasituation, sondern auch z.B. Umweltfragen.

Florian Mohr: „Letztendlich sind Digitalisierung und KI nur Werkzeuge. Sehr mächtige Werkzeuge, die aber nie dem reinen Selbstzweck dienen sollten. Der Selbstzweck der Digitalisierung existiert nicht.“

Larissa: Schön, vielen Dank Florian. Ich habe jetzt eine letzte Frage an euch beide. Ihr habt es teilweise schon angedeutet, an welchen Stellen seht ihr noch Entwicklungsbedarf beim Thema Digitalisierung im Mittelstand?

Jonas: Ich sehe ganz klar Entwicklungsbedarf beim Verständnis, was Digitalisierung bedeutet. Digitalisierung bedeutet nämlich nicht, man führt ein IT-System ein und ist damit fertig. Digitalisierung erfordert ein ganzheitliches Anpassen des Unternehmens. Und das sehe ich jetzt in die Zukunft schauend als neues Ziel oder neuen Bedarf. Dass wir den KMU gleichzeitig mitgeben, welche Optionen Digitalisierung für ihr Unternehmen ermöglicht. Wir müssen neben all den Problemstellungen und Herausforderungen auch die Optionen aufzeigen, die eben nur durch Digitalisierung möglich sind. Wir sprechen hier von digitaler Vernetzung, Verbindung von Wertschöpfungsnetzwerken, digitaler Zusammenarbeit und so weiter. Diese Handlungsoptionen müssen einfach in Unternehmen verankert und zu Problemlösungen ganz intuitiv und natürlich mit einbezogen werden. Und da sehe ich uns ganz klar in der Pflicht, dass wir das Thema noch greifbarer auf einem ganz handlungspraktischen, konkreten Level an die Unternehmen herantragen.

Larissa: Willst du noch irgendetwas ergänzen, Florian?

Florian: Ja. Ich glaub die Unternehmen dürfen auch nochmal zu den Wurzeln der Unternehmung zurückkehren. Letztendlich sind Digitalisierung und auch KI nur Werkzeuge. Sehr mächtige Werkzeuge, die aber nie dem reinen Selbstzweck dienen sollten. Der Selbstzweck der Digitalisierung existiert nicht. Wir hören oft die Fragen: Wie kriegen wir mehr Digitalisierung in die Unternehmen? Wie kriegen wir mehr KI in die Unternehmen? Das ist aus meiner Sicht falsch. Die Fragen sollten lauten: Welche Probleme können wir mit Digitalisierung lösen? Wie kriegen wir die Unternehmen zukunftsfähig aufgestellt?

Larissa: Sehr schön zusammengefasst. Bonusfrage an Jonas: Was wird deine erste Amtshandlung als Leiter vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern sein?

JonasEs wird als allererste Amtshandlung tatsächlich ein Gespräch mit einem Kollegen aus der SmartFactory, Stefan, stattfinden. Einfach nur, weil es zeitlich auf acht Uhr morgens gelegt wurde. Und dann werde ich mir einen Überblick über die Zukunft verschaffen, was unsere Projekte und Anträge betrifft. Und schließlich unseren ersten Jour Fixe mit mir als Leiter mit dem gesamten KomZ-KL Team vorbereiten.

Larissa: Vielen Dank an euch beide!

Das Interview führte Larissa Theis, Pressereferentin des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Kaiserslautern

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