BEST PRACTICE

Den Menschen in ihrer Arbeit mehr Sinn geben – dank Digitalisierung

Künstliche Intelligenz, Algorithmen und Chat Bots: Das Startup Inga beschreitet neue Wege in der Personalbeschaffung.

Corinna Haas und Francisco Otto haben sich auf einer Netzwerk-Veranstaltung in Frankfurt kennengelernt und gemeinsam mit weiteren Gründern Inga entwickelt. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A.Sell

Corinna Haas und Francisco Otto haben sich auf einer Netzwerk-Veranstaltung in Frankfurt kennengelernt und gemeinsam mit weiteren Gründern Inga entwickelt. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A.Sell

Man nehme den Wunsch, etwas zu verändern, eine geniale Idee, fünf Unternehmer, zusammen rund 80 Jahre Berufserfahrung und die Möglichkeiten der Digitalisierung. Diese Zutaten bilden die Erfolgsgeschichte des Startups Inga aus Frankfurt am Main, das im Januar 2019 als GmbH gegründet wurde. Inga zielt darauf ab, die Personalbeschaffung für Unternehmen einfacher, moderner und erfolgreicher zu gestalten.

„Digitalisierung hat enorme Potenziale, die Produktivität von Unternehmen zu erhöhen und den Menschen in ihrer Arbeit mehr Sinn zu geben. Sich wiederholendende Tätigkeiten können durch schlaue Maschinen abgelöst werden, die Beschäftigten führen dafür vielseitigere Aufgaben aus“, so Corinna Haas, Gründerin und Chief Executive Officer von Inga. Mitgründer und Chief Product Officer Francisco Otto ergänzt: „Wir sehen in der Digitalisierung die Chance, uns als Gesellschaft im Bereich ‚Arbeit 4.0‘ stark zu verändern. Vielleicht gehen künftig nicht mehr 40 Millionen Menschen in Deutschland jeden Tag einer ‚ganz normalen‘ Tätigkeit, wie wir sie heute kennen, nach, sondern werden völlig andere Aufgaben ausüben. Das ist natürlich auch für den Mittelstand hoch relevant.“

Inga macht auf Social-Media-Kanälen wechselwillige Kandidaten auf offene Stellen aufmerksam: auf einfache und moderne Art – dank Digitalisierung.
Inga macht auf Social-Media-Kanälen wechselwillige Kandidaten auf offene Stellen aufmerksam: auf einfache und moderne Art – dank Digitalisierung.

Inga macht auf Social-Media-Kanälen wechselwillige Kandidaten auf offene Stellen aufmerksam: auf einfache und moderne Art – dank Digitalisierung.

Die Geschäftsidee von Inga basiert auf einer neu entwickelten Software, die Social-Media-Kanäle nutzt, um wechselwillige Kandidaten auf eine offene Position aufmerksam zu machen und mit ihnen in einen Dialog zu treten. Dahinter stecken KI-Algorithmen, die die Aufgabe haben, freie Stellen mit potenziell geeigneten Arbeitnehmern auf Kanälen wie Facebook und Instagram zusammenzubringen.

Dabei kommt ein Chat zum Einsatz, in dem Inga erfährt, ob ein Kandidat zur Stelle passt. Das Programm animiert ihn gegebenenfalls zur Bewerbung, die aus einem kurzen Frage-Antwort-Prozess direkt online besteht. „In Zeiten von Fachkräftemangel und Vollbeschäftigung wird es schwieriger, Kandidaten zu gewinnen – ein Problem, das auch im Mittelstand bekannt ist“, sagt Haas. Die Methode des „Active Sourcing“, also der aktiven Personalbeschaffung, hilft, wechselwillige Talente zu identifizieren und zu einem Wechsel zu bewegen. Die Digitalisierung macht es möglich.

Mitarbeitersuche im Mittelstand – eine Herausforderung für Hidden Champions

Eine der Schwierigkeiten für den Mittelstand, passende Arbeitskräfte zu finden, liegt darin begründet, dass die KMU in der Bevölkerung häufig nicht bekannt sind, ist man sich bei Inga sicher. „Die vielzitierten Hidden Champions sind somit natürlich auch bei potenziellen Bewerbern unbekannt“, so Otto. Sehen wechselwillige Kandidaten dagegen die Stellenanzeige einer weltweit bekannten Firma, verbinden sie damit häufig eine attraktive Arbeitgebermarke; dagegen werden Anzeigen von kleineren Firmen schnell übergangen. Häufig hat der Mittelstand im Wettrennen um gute Mitarbeiter das Nachsehen.

Genau hier setzt das Startup an. „Unsere Personalmarketingmaßnahmen basieren auf zwei Säulen. Zunächst möchten wir Kandidaten auf spannende Firmen überhaupt erst aufmerksam machen. Das hilft sowohl den KMU, die es häufig mit eigenen Mitteln nicht schaffen, sich über Online-Marketing in den sozialen Medien bekannt zu machen. Es hilft aber auch den Bewerbern, eine höhere Anzahl an möglichen Arbeitgebern kennenzulernen – außerhalb der klassischen Suche im Jobportal. Im zweiten Schritt geht es darum, zügig zu prüfen, ob ein Interessent überhaupt auf die Stelle passt“, beschreibt der Gründer den Prozess. Mit Inga können Unternehmen somit Personen ansprechen, die sie über herkömmliche Stellenanzeigen gar nicht erreichen würden. So werden Firmen und Bewerber auf einer breiteren Basis zusammengebracht.

Experten für Personalwesen, Marketing, Gründung und Informatik: Die fünf Innovatoren haben im Januar 2019 die Inga GmbH in Frankfurt erfolgreich gegründet. Von links nach rechts: Francisco Otto, Dr. Dorothea Varlam, Corinna Haas, Jörg Kreß und Kim Körber.

Experten für Personalwesen, Marketing, Gründung und Informatik: Die fünf Innovatoren haben im Januar 2019 die Inga GmbH in Frankfurt erfolgreich gegründet. Von links nach rechts: Francisco Otto, Dr. Dorothea Varlam, Corinna Haas, Jörg Kreß und Kim Körber.

Transparenz beim Einsatz von KI baut Vorbehalte ab

Die Vorsicht der Unternehmen bei allem, was mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz zu tun hat, spüren die Gründer in ihrer Arbeit. „Natürlich gibt es erst einmal Vorbehalte, wenn wir von KI, Chatbots und Algorithmen sprechen. Aber wir haben ein hochstandardisiertes Produkt, das sich bei vielen Kunden schon bewährt hat. Gleichzeitig gehen wir mit den Chancen und Grenzen der KI ganz offen um. Unser Chat Bot suggeriert nicht, dass er ein Mensch ist, sondern macht von Anfang an klar, dass es sich um eine Maschine handelt. Wir glauben, dass diese Transparenz wichtig ist, damit ein potenzieller Kandidat die Interaktion eingeht,“ berichtet Otto von den Erfahrungen.

Aber auch gegenüber der Personalabteilung, die die Dienste von Inga nutzt, müssen Ängste abgebaut werden. Der Einsatz von Digitalisierung und KI macht den Personaler nicht arbeitslos, davon ist das Team von Inga überzeugt. Im Gegenteil, die Software nimmt dem Recruiter nur repetitive Arbeiten ab, nicht aber die Kreativität und Verantwortung. „Die Personaler werden empowert, erhalten wieder mehr Entscheidungsbefugnis. Und sie lernen, Personalmarketing effektiv zu gestalten,“ ist sich die Gründerin sicher. Gleichzeitig kann wieder mehr Arbeit in Hause erledigt werden, dort, wo das Fachwissen über die Stellen vorliegt. Man muss sich nicht mehr auf externe Personaldienstleister verlassen, um offene Stellen zu besetzen; der Verlust von wichtigen Informationen wird minimiert.

Der persönliche Kontakt zu den Kunden ist dem Team wichtig, um Vertrauen aufzubauen.

Der persönliche Kontakt zu den Kunden ist dem Team wichtig, um Vertrauen aufzubauen.

Aktuell arbeiten Kunden bei der Erstellung von Kampagnen mit dem Inga-Team persönlich zusammen. Aber in Zukunft sollen Kunden von der Software assistiert und durch die Kampagnenerstellung geleitet werden. Dies wird durch maschinelles Lernen ermöglicht.

Eine Kampagne basiert aktuell häufig auf bis zu 200 Anzeigenvarianten für ein und dieselbe Stelle. Die KI hilft, die erfolgreichsten Varianten je Kampagne zu bestimmen und somit Vorschläge für die künftige Anzeigengestaltung zu unterbreiten. Gleichzeitig wird mit Hilfe der eingesetzten Algorithmen die Anzeige nur einer eingegrenzten Zielgruppe bei Facebook angezeigt, also beispielsweise Personen, die im passenden Einzugsgebiet wohnen oder aufgrund ihrer Interessen zur Stelle passen könnten.

Das Startup ist innerhalb kurzer Zeit auf 10 Beschäftigte angewachsen. Das Büro liegt im Co-Working Space Mindspace im Eurotheum im Herzen Frankfurts. In dieser kreativen Atmosphäre ist der Austausch mit anderen Startups einfach möglich.

Das Startup ist innerhalb kurzer Zeit auf 10 Beschäftigte angewachsen. Das Büro liegt im Co-Working Space Mindspace im Eurotheum im Herzen Frankfurts. In dieser kreativen Atmosphäre ist der Austausch mit anderen Startups einfach möglich.

„Es läuft gut“, freuen sich die Geschäftspartner. Inga wird von Kunden in Deutschland gut angenommen und zahlreiche Stellen wurden bereits besetzt – vom Service-Techniker über Mechatroniker bis hin zu E-Commerce-Managern. Dieser Erfolg beweist, dass das Team einen realen Bedarf adressiert. So konnte das Startup innerhalb von kurzer Zeit auf 10 Beschäftigte anwachsen. Kein Wunder, dass Zukunftspläne bereits ausgearbeitet werden, wie Corinna Haas verrät: „Inga rollen wir dieses Jahr für Xing und LinkedIn aus. Auch andere Länder im Europa stehen in unserem Visier.“

 

 


Über das Unternehmen: Inga GmbH

Unternehmenssitz: Frankfurt am Main
Mitarbeiter: 10
Gegründet: 2019

In Zeiten von Fachkräftemangel und Vollbeschäftigung wird es schwieriger, Kandidaten zu gewinnen. Active Sourcing hilft, wechselwillige Talente zu identifizieren und zu einem Wechsel zu bewegen, ist aber häufig kosten- und zeitintensiv. Inga nutzt Social-Media-Kanäle, um wechselwillige Kandidaten auf eine offene Position aufmerksam zu machen und mit ihnen in einen Dialog zu treten. In einem Chat erfährt Inga, ob der Kandidat zur Stelle passt und animiert ihn ggf. zur Bewerbung.
https://www.inga.one/

Autorin: Dr. Haike Frank