BEST PRACTICE

Umfangreiche Maschinendatenerfassung in der papierlosen Fabrik

Bei FWB Kunststofftechnik GmbH gehören digitale Lösungen zum Alltag

FWB Kunststofftechnik GmbH bietet einen hohen Grad an Automatisierung in der Produktion. Hier ein Blick auf die Fertigungshalle von Funk-Klapp- Schlüsseln. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / Alexander Sell

Die beiden Geschäftsführer von FWB Kunststofftechnik, Frank Schmidt (links) und Dr. Athanasios Valous (rechts), zusammen mit der Projektleiterin „Industrie 4.0“, Elisa De Bastiani (Mitte).

Die beiden Geschäftsführer von FWB Kunststofftechnik, Frank Schmidt (links) und Dr. Athanasios Valous (rechts), zusammen mit der Projektleiterin „Industrie 4.0“, Elisa De Bastiani (Mitte).

Seit Beginn der FWB Kunststofftechnik GmbH vor über 35 Jahren hat sich das Unternehmen aus Pirmasens stetig technologisch weiterentwickelt. Ihre Motivation: auf dem neuesten Stand der Technik bleiben und dadurch den Standort sichern. „Wir sind von unserer Geschichte her schon immer sehr technikaffin gewesen. Außerdem finden wir neue Ideen spannend und haben auch keine Angst vor Veränderungen. Das ist unsere Mentalität im Unternehmen“, erzählt Frank Schmidt aus der Geschäftsleitung von FWB Kunststofftechnik.

Mit dieser Einstellung hat sich der Hersteller von Kunststoffteilen der digitalen Transformation gestellt und kontinuierlich digitale Lösungen umgesetzt. „Um heutzutage Unternehmensprozesse effizient zu gestalten, müssen diese einfach digital sein. Das ist uns bewusst und darum beschäftigen wir uns schon sehr lange mit Digitalisierung und Industrie 4.0“, berichtet Dr. Athanasios Valous, der ebenfalls Teil der Geschäftsleitung von FWB Kunststofftechnik ist.

Maschinendatenerfassung in der Kunststofffertigung und im Werkzeugbau

Bereits seit über 10 Jahren werden bei FWB Kunststofftechnik in der Produktion die Maschinendaten systematisch erfasst. Seit zwei Jahren ist die Datenerfassung auch im Werkzeugbau implementiert. Die Mitarbeiter können – auch über Tablets – die Daten der Maschinen verfolgen und kontrollieren. Es wird beispielsweise aufgezeichnet, welche Maschine in welchem Takt arbeitet und wo es zu Problemen kommt. „Unsere Mitarbeiter haben sogar die Möglichkeit, von Zuhause aus jederzeit via Tablet oder Smartphone den Status der Maschinen abzurufen. Wenn etwas kritisch ist, können sie sich einloggen und nachvollziehen, wie die Maschine läuft und ob es zu einer Störung gekommen ist“, erläutert Schmidt. Auch die einzelnen Fertigungslinien sind untereinander vernetzt.

Zusätzlich erfolgt ein digitaler Informationsfluss der Konstruktionsdaten aus dem CAD-System an die Fertigungsmaschinen. „Wir haben schon früh damit angefangen, in Richtung papierlose Fabrik zu gehen“, beschreibt Valous diese Entwicklung. Viele weitere Bereiche sind bei FWB Kunststofftechnik bereits digitalisiert, wie Produktionsplanung inklusive Maschinenbelegung, Logistik, Dokumentenmanagement in der Buchhaltung und Auftragsbearbeitung.

Ein Mitarbeiter bei FWB beim Drahterodieren. Bild: A. Sell
Ein Mitarbeiter von FWB in der Fabrikhalle. Bild: A. Sell

Die Produktion wird bei FWB Kunststofftechnik überwiegend über Bildschirme und Tablets gesteuert, beispielsweise im Werkzeugbau beim Drahterodieren.

Digitale Datenanalyse schafft Arbeitsplätze

Die generierten Daten aus der Produktion von FWB Kunststofftechnik werden digital aufbereitet und ausgewertet. Bild: A. Sell

Die generierten Daten aus der Produktion von FWB Kunststofftechnik werden digital aufbereitet und ausgewertet.

Ein großes Zukunftsthema im Zusammenhang mit Industrie 4.0 sind die systematische Datenanalyse und die Datenintegration. Dadurch entstehen für die Unternehmen gewisse Herausforderungen, aber es werden auch neue Arbeitsplätze geschaffen. „Durch die Digitalisierung fallen keine Arbeitsplätze weg, sondern die Berufsbilder verändern sich. Die Daten, die im Unternehmen generiert werden, müssen zusammengeführt, aufbereitet und analysiert werden. Und aus den Erkenntnissen müssen wiederrum Schlussfolgerungen für den Betrieb gezogen werden, die danach realisiert werden müssen. Dazu braucht man qualifizierte Mitarbeiter“, erklärt Schmidt.

Interdisziplinäres Projektteam „Industrie 4.0“

Ein internes Projektteam sorgt bei FWB Kunststofftechnik dafür, dass die Ideen zu digitalen Anwendungen umgesetzt werden. Das interdisziplinäre Team „Industrie 4.0“ setzt sich aus Personen verschiedener Unternehmensbereiche zusammen. In regelmäßigen Treffen besprechen die Teammitglieder alle Entwicklungen und Pläne rund um die Digitalisierung des Unternehmens. „Ziel des Projektteams ist es, alle Ideen zu Industrie 4.0 zu sammeln und diese systematisch anzugehen“, beschreibt Elisa De Bastiani, Leiterin des Projektteams.

Die Mitarbeiter als Motor der digitalen Transformation

Ein Mitarbeiter von FWB Kunststofftechnik bei der visuellen Endkontrolle der Einzelteile von Funk-Klapp-Schlüsseln. Bild: A. Sell

Ein Mitarbeiter von FWB Kunststofftechnik bei der visuellen Endkontrolle der Einzelteile von Funk-Klapp-Schlüsseln.

„Natürlich unterstützt die Geschäftsleitung alle Aktivitäten in Richtung Digitalisierung, aber der treibende Motor sind die Mitarbeiter selbst. So haben die Mitarbeiter aus der Produktion die Forderung nach Tablets zur Datenerfassung gestellt, anstatt Papierzettel auszufüllen“, berichtet Schmidt. Außerdem werden die Mitarbeiter von Beginn an in neue Projekte involviert, um dadurch eine größere Akzeptanz zu schaffen. „Aus Erfahrung kann ich sagen, wenn man irgendetwas vorgesetzt bekommt, ist man zunächst sehr kritisch. Aber wenn man selbst an einem Projekt beteiligt war, dann nimmt man die Veränderung viel besser an“, erläutert De Bastiani.

Der Markt fordert Digitalisierung des Mittestandes

Neben den internen Gründen zur Optimierung von Prozessen gibt es bei FWB Kunststofftechnik auch gewisse Anforderungen, die der Kunde von außen stellt und die nur mit digitalen Lösungen zu realisieren sind. „In der Automobilindustrie und dem Werkzeugbau, in der wir überwiegend tätig sind, gibt es einen starken Antrieb in Richtung Industrie 4.0 von außen. Der Kunde würde es nicht akzeptieren, wenn wir Innovationen einfach ignorieren“, so Valous. „ Zum Beispiel beschließt der Kunde E-Billing einzuführen und entsprechend erhalten wir Rechnungen nur noch digital. Dann müssen wir uns darauf einlassen oder wir verlieren den Kunden auf lange Sicht“, ergänzt Schmidt.

Nach Ansicht der Geschäftsleitung von FWB Kunststofftechnik ist es gerade als mittelständisches Unternehmen von Bedeutung, digital zu sein. „Der Wettbewerb lässt nichts anderes zu. Hocheffiziente Prozesse werden auch vom Mittelstand erwartet – egal ob in der Verwaltung oder der Produktion“, fasst Valous zusammen. Der Unternehmer empfiehlt auch anderen KMUs, die Angebote des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Kaiserslautern zu nutzen und dadurch Ideen für Digitalprojekte zu erhalten.


Über das Unternehmen: FWB Kunststofftechnik GmbH

Die Einzelteile eines Funk-Klapp-Schlüssels, die bei FWB Kunststofftechnik hergestellt werden. Das Unternehmen wurde von compamedia zum Top-Innovator 2017 ausgezeichnet. Bild: A. Sell

Die Einzelteile eines Funk-Klapp-Schlüssels, die bei FWB Kunststofftechnik hergestellt werden. Das Unternehmen wurde von compamedia zum Top-Innovator 2017 ausgezeichnet.

Unternehmenssitz: Pirmasens
Mitarbeiter: 170
Gegründet: 1980

FWB Kunststofftechnik steht für innovative Entwicklungsarbeit und technische Kompetenz in der Kunststoff-Spritzgusstechnik, insbesondere für die Automobilindustrie und Medizintechnik. Seit über 30 Jahren erfüllt das Unternehmen die individuellen Anforderungen namhafter Firmen im In- und Ausland. Als zukunftsorientiertes Unternehmen strebt FWB Kunststofftechnik einen Spitzenplatz in der internationalen Kunststoffbranche, einschließlich der dazugehörigen Werkzeugfertigung, an.

www.fbw-gmbh.com

Autorin: Fabienne Bosle