BEST PRACTICE

Innovative Technologien auf der Baustelle

Der Geschäftsführer von HTI, Wolfgang Meier, vor Ort auf einer Baustelle.

HTI GmbH qualifiziert Mitarbeiter für die Digitalisierung

Das Bauunternehmen HTI setzt auf moderne Technologien und eine frühzeitige Mitarbeiterqualifizierung. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell

Das Bauunternehmen HTI setzt auf moderne Technologien und eine frühzeitige Mitarbeiterqualifizierung. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell

Der Geschäftsführer von HTI, Wolfgang Meier, vor Ort auf einer Baustelle.

Der Geschäftsführer von HTI, Wolfgang Meier, vor Ort auf einer Baustelle.

Das Bauunternehmen aus Daun in der Vulkaneifel ist überwiegend im öffentlichen Auftragswesen tätig. Dabei stehen Tief- und Straßenbau im Vordergrund, aber auch Hoch- und Ingenieurbau gehören zu den Tätigkeiten. Bei all diesen Aufgaben kommt es auf eine präzise Ausführung an. Der Geschäftsführer von HTI, Wolfgang Meier, beschreibt folgende Situation: „Wenn wir eine Ausschachtung in einer Straße 10 cm tiefer machen als beauftragt, benötigen wir mehr Ressourcen als bezahlt werden. Somit verdienen wir nichts mehr und haben nur Geld gewechselt. Das ist auf Dauer natürlich nicht wirtschaftlich. Das heißt: Je genauer wir arbeiten, desto effizienter arbeiten wir. Und eine solche Genauigkeit sowie die Qualitätssicherung können wir nur durch moderne Technologien gewährleisten.“ Für den Bauunternehmer ist eine Effizienzsteigerung fest mit der Digitalisierung verbunden. „Wir setzen auf Digitalisierung, weil wir dadurch eine wesentlich größere Effizienz in der Abarbeitung unserer Aufträge, aber auch in der internen Umsetzung von Verwaltungstätigkeiten sehen“, ergänzt Meier.

Bei HTI ist Björn Zeien gemeinsam mit weiteren Bauleitern für das Thema Digitalisierung zuständig. „Einige Aspekte habe ich angestoßen und vorangetrieben, andere wiederum meine Kollegen. Wir als Bauunternehmen müssen den Markt im Auge behalten und entscheiden, welche Technologien unsere Arbeit unterstützen können. Die digitale Transformation gelingt Schritt für Schritt“, so Zeien.

Baustellen-Kommunikation über eine App

Bauleiter Björn Zeien treibt das Thema Digitalisierung bei HTI voran.

Bauleiter Björn Zeien treibt das Thema Digitalisierung bei HTI voran.

In der internen Kommunikation hat das Bauunternehmen einiges optimiert und sich neu aufgestellt. „Unser Büro ist eine Art Kommandozentrale, die mit den ausgelagerten Produktionsstätten – den Baustellen – kommuniziert. Wir müssen gewährleisten, dass der Informationsaustausch in der entsprechenden Zeit und im entsprechenden Umfang sichergestellt ist, weil wir einer rechtlichen Dokumentationspflicht unterliegen“, erklärt Meier.

Die gesamte Baustellendokumentation läuft interaktiv über eine Smartphone-App, über die der Polier vor Ort dokumentiert, was auf der Baustelle geschieht und den aktuellen Stand des Baus festhält. Wenn auf einer Baustelle etwas nicht planmäßig funktioniert, macht der Polier ein Foto inklusive einer kurzen Mitteilung. Die Bauleiter im Büro erhalten die Nachricht sofort und können entsprechend reagieren. Auch die Bauzeichnungen und das gesamte Dokumentenmanagement sind in dem Unternehmen digitalisiert. Meier betont die Prozessoptimierung: „Digitalisierung erleichtert uns jegliche Dokumentation. Früher mussten wir alles handschriftlich erfassen und heute genügt teilweise ein Bild. Es fallen viele Arbeitsschritte weg. Dadurch sparen wir Zeit und können unsere Ressourcen effizienter einsetzen.“

Bei HTI läuft die Zeiterfassung der Mitarbeiter ebenfalls über die App. Sobald die Mitarbeiter auf die Baustelle kommen, loggen sie sich ein und die Arbeitszeit wird erfasst. „Durch die Firmen-Smartphones inklusive App können wir im Büro live nachvollziehen, was auf der Baustelle passiert. Wir sind direkt in die Vorgänge involviert – von der Dokumentation bis hin zur Zeiterfassung – und wir können schneller handeln“, erläutert Zeien.

Der Polier erfasst Daten auf der Baustelle.

Der Polier erfasst Daten auf der Baustelle.

Die App vereinfacht die Kommunikation zwischen Baustelle und Büro.

Die App vereinfacht die Kommunikation zwischen Baustelle und Büro.

Tilt-Rotationsbagger mit Displays und Joystick

Auch die Baustellenfahrzeuge sind bei HTI mit modernen Technologien ausgestattet. Die Bagger sind bereits seit Jahren mit Tilt-Rotatoren versehen, die vorne am Stiel angebracht sind und in verschiedene Achsen drehbar sind. Ein Standardbagger besitzt einen Löffel, der sich ausschließlich nach vorne und hinten bewegt.

Zudem sind in den Baggern mittlerweile Bildschirme und GPS-Maschinensteuerungen implementiert. Dadurch können dem Geräteführer Aufgabenstellungen und digitale Geländemodelle direkt in das Führerhaus des Baggers übertragen werden.
Ebenso ist geplant, Lenkrad und Fußpedal in den Joystick des Baggers zu integrieren, sodass alle Funktionen vom Joystick aus gesteuert werden können. Das vereinfacht dem Baggerfahrer die Steuerung des Baggers, weil er alles über eine zentrale Stelle bedienen kann.

Der Polier erfasst Daten auf der Baustelle.

Ein Tilt-Rotationsbagger von HTI mit GPS-Maschinensteuerung.

Ein Tilt-Rotationsbagger von HTI mit GPS-Maschinensteuerung.

Engagierte Mitarbeiter fordern digitale Lösungen

Engagierte Mitarbeiter fordern innovative Technologien zur Prozessoptimierung.

Engagierte Mitarbeiter fordern innovative Technologien zur Prozessoptimierung.

Der Mensch spielt eine wichtige Rolle bei HTI. Das Bauunternehmen bildet selbst Azubis aus und führt sie von Beginn an die modernen Technologien heran. „Wir erhalten auch die Rückmeldung, dass das ein entscheidendes Kriterium ist, um bei uns zu arbeiten. Wir bestehen aus einem jungen und engagierten Team, das offen für digitale Themen ist“, beschreibt Zeien.

„Wir haben auch in den vergangenen Jahren immer den Jahrgangsbesten der Auszubildenden gefeiert. Unter unseren Mitarbeitern befinden sich sogar Landes- und Bundessieger. Wir spezialisieren sie auf die digitalen Technologien in der Baubranche“, ergänzt Meier.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass neben dem Geschäftsführer und den Bauleitern auch weitere Mitarbeiter Ideen einbringen, was bei HTI optimiert werden könnte. So lebt die Belegschaft gemeinsam die digitale Transformation. „Bei uns ist das ein Prozess, der beidseitig funktioniert. Die Geschäftsleitung lebt eine positive Einstellung gegenüber der Digitalisierung vor. Und die Mitarbeiter fordern digitale Lösungen, die ihren Arbeitsalltag erleichtern. Wichtig ist, dass die Geschäftsleitung wiederum für solche Anregungen der Mitarbeiter offen ist“, so Zeien.

Auch die etwas älteren Mitarbeiter, die schon länger bei dem Bauunternehmen arbeiten, werden unterstützt und schrittweise an die Digitalprojekte herangeführt. Bei HTI achtet man darauf, dass alle Beschäftigten mitgenommen werden. „Wir wollen nicht, dass die Digitalisierung als Stress empfunden wird, weil somit auf lange Sicht Probleme entstehen. Stattdessen ist das bei uns eine schrittweise, personenbezogene und interaktive Veränderung, die wir miteinander umsetzen“, so Meier.

Zukunftssicherung durch Veränderungen

Der ambitionierte Bauunternehmer ist sich sicher, dass kleine und mittlere Unternehmen ihre Zukunftsfähigkeit durch die Digitalisierung sichern sollten, da sie sonst auf Dauer nicht am Markt bestehen können. „Es gab im Laufe der Zeit schon viele Veränderungen in der Baubranche und jetzt stehen wir wieder an einer Zeitenwende. Natürlich sollte jedes Unternehmen für sich entscheiden, welche Maßnahmen zielführend sind. Wenn ein Unternehmen aber weiterhin produktiv und effektiv arbeiten möchte, dann muss es Schritte der Veränderung gehen. Wir können auch nicht wie vor 30 Jahren bauen. Heute gibt es für die gleiche Anzahl an Aufträgen weniger Mitarbeiter, aber eben neue Methoden der Umsetzung“, erklärt Meier.

HTI ist auf das Kompetenzzentrum Kaiserlautern über eine Informationsveranstaltung bei der Firma apra-norm in Mehren aufmerksam geworden. „Bei apra-norm ging es zwar um Industrie 4.0 und wir sind kein klassisches Industrie-Unternehmen. Wir können aber aus vielen Ansätzen lernen und die Aspekte auf die Baubranche übertragen“, erzählt Zeien.

Bei HTI sah man viel Potenzial in einer Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum und so wurde direkt im Anschluss eine gemeinsame Ideenwerkstatt durchgeführt. Dabei ging es um das Konzept eines neuen Geschäftsmodells für eine App zur Prozessoptimierung. Die Bauleiter kommunizieren häufig mit LKW-Speditionen bezüglich der Disposition von Baustellenfahrzeugen. Dieser Prozess soll zukünftig über eine App vereinfacht werden. „Wir sparen dadurch viel Zeit in der Koordination der Fahrzeuge. Das Projekt befindet sich noch in der Umsetzung“, so Zeien.


Über das Unternehmen: HTI GmbH

Unternehmenssitz: Daun (Vulkaneifel)
Mitarbeiter: ca. 70
Gegründet: 1989

Die HTI GmbH übernimmt sämtliche Arbeiten im Straßen- und Tiefbau. Das regionale Bauunternehmen arbeitet mit namhaften Ingenieurbüros zusammen und ist für die erfolgreiche Ausführung der geplanten Bauvorhaben zuständig. HTI hat langjährige Erfahrung im Neubau und in der Instandsetzung von Straßen und Wegen, Brücken, Hochbehältern und Kläranlagen, Industriebau, Kanälen und Wasserleitungen sowie dem klassischen Wohnungsbau. Durch die eigenen Lava-Gruben am Firmenstandort Daun kann das Unternehmen die Qualität von der Rohstoffgewinnung bis zur Fertigstellung garantieren. Als innovatives Bauunternehmen legt HTI großen Wert darauf, sich ständig weiterzuentwickeln. Daher sind Kooperationen mit Fachhochschulen und Universitäten von großer Bedeutung.
www.hti-daun.de

Autorin: Fabienne Bosle