BEST PRACTICE

Der digitale Steinmetz

Der Handwerksmeister Markus Glöckner (links) leitet gemeinsam mit seiner Ehefrau Katja Hobler (rechts) den Steinmetzbetrieb.

Der Handwerksbetrieb Natursteine Glöckner setzt innovative Technologien im Büro und auf der Baustelle ein

Das klassische Handwerk des Steinmetzes befindet sich bei Natursteine Glöckner in der digitalen Transformation. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell

Das klassische Handwerk des Steinmetzes befindet sich bei Natursteine Glöckner in der digitalen Transformation. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell

Der Handwerksmeister Markus Glöckner (links) leitet gemeinsam mit seiner Ehefrau Katja Hobler (rechts) den Steinmetzbetrieb.

Der Handwerksmeister Markus Glöckner (links) leitet gemeinsam mit seiner Ehefrau Katja Hobler (rechts) den Steinmetzbetrieb.

Die saarländische Steinmetz- und Restaurationswerkstatt Natursteine Glöckner gibt es seit 1967. Der Handwerksmeister, Markus Glöckner, hat vor 25 Jahren den elterlichen Betrieb übernommen und leitet ihn zusammen mit seiner Frau, Katja Hobler, die u.a. für das Personalwesen zuständig ist. In dieser Zeit hat sich die Anzahl der Beschäftigten von unter zehn auf 27 erhöht. Zum Hauptgeschäft zählen Restaurierungsarbeiten – von Sandsteinmauern über Häuserfassaden bis hin zu Kirchen. Weitere Steinmetzarbeiten finden im klassischen Grabmalbereich statt. Ein drittes Standbein des Betriebs bilden Bauarbeiten mit Naturstein wie Treppen, Küchenarbeitsplatten oder Bäder.

„Das zurzeit bekannteste Objekt, an dem wir arbeiten, ist die alte Abtei in Mettlach. Das ist das Verwaltungsgebäude von Villeroy und Boch. Solche Restaurierungen machen etwa 70 Prozent unserer Aufträge aus. Die Steinmetzarbeiten sind insgesamt sehr vielfältig und auch sehr individuell. Und damit sind wir beim Thema Digitalisierung angelangt. Digitale Hilfsmittel erleichtern uns den Arbeitsalltag sowohl im Büro als auch bei Kunden vor Ort“, so der Handwerksmeister.

Handwerk versus Digitalisierung

„Wir kommen aus einem sehr traditionsbewussten Handwerksberuf. Trotzdem darf man sich vor Neuerungen nicht verschließen“, bringt es Glöckner auf den Punkt. Der Steinmetz hat bereits vor zehn Jahren mit der digitalen Transformation seines Betriebs begonnen.

Als erstes Projekt wurde eine digitale Zeiterfassung eingeführt. Über kleine Handgeräte erfassen die Mitarbeiter ihre Zeiten bei den Kunden vor Ort und können auch kurze Berichte zu der Arbeit schriftlich abgeben. „Das war eine echte Arbeitserleichterung. Vorher musste jeder händisch seinen Baustellenbericht schreiben und die Zeiten dokumentieren. Und die meisten Steinmetze werden nicht Steinmetze, weil sie gerne Büroarbeit machen, sondern weil sie eben gerne handwerklich arbeiten“, erzählt Hobler. Sie bereitet die Daten der Mitarbeiter anschließend im Computersystem weiter auf – allerdings mit viel weniger Aufwand als früher.

Glöckner sucht stetig nach Lösungen, die seinen Betrieb voranbringen. Ob digital oder analog spielt für ihn keine bedeutende Rolle. Er entscheidet, was am besten zu seinem Unternehmen passt. Die Auftragsplanung ist in der Werkstatt analog anhand einer Stecktafelwand mit kleinen Kärtchen organisiert. Diese Tafel ist für jeden zugänglich und hat sich als praktikabel erwiesen. Allerdings gibt es viele andere Bereiche, in denen der Handwerksbetrieb digital unterwegs ist.

Analoger Wochenplan zur Auftragsplanung.

Analoger Wochenplan zur Auftragsplanung.

Digitale Zeiterfassung der Mitarbeiter.

Digitale Zeiterfassung der Mitarbeiter.

Steigerung der Produktivität durch digitale Werkzeuge

Die Steinmetze bei Natursteine Glöckner arbeiten mit einem digitalen Aufmaßgerät, um vor Ort die Baustelle digital auszumessen. Diese Daten können anschließend in einem CAD-System am PC nachbearbeitet werden. Ohne Medienbruch gelangen die Informationen dann zu einer CNC-Schneide- und Fräsmaschine, die eine grobe Form aus dem Stein herausfräst. „Früher mussten die Baustellen von Hand ausgemessen und komplizierte Schablonen konstruiert werden, um die einzelnen Elemente – beispielsweise das Profil einer Fassade – abzubilden. Es war sehr aufwendig, aus Papier eine solche Schablone herzustellen. Diesen Schritt sparen wir nun durch die Digitalisierung. Dem Mitarbeiter an der Maschine liegen direkt alle relevanten Daten vor, um mit dem Schneiden zu beginnen“, erläutert Glöckner.

Auch heutzutage bearbeitet der Handwerker die Feinheiten per Hand nach. Und die Steinmetze sind sich einig, „die feine Arbeit macht im Gegensatz zur groben Arbeit auch mehr Spaß.“ Die lästige Arbeit wird von der Maschine übernommen und zusätzlich wird noch enorm viel Zeit gespart. Die Mitarbeiter von Natursteine Glöckner mussten sich jedoch keine Gedanken machen, dass dadurch ihre Arbeitsplätze wegfallen. „Es bleibt mehr als genug Arbeit für uns. Wir können jetzt einfach viel schneller und effizienter produzieren“, ergänzt Hobler.

Für ältere Statuen oder Figuren, die kopiert werden sollen, benutzt der Handwerksbetrieb einen 3D-Scanner, um auch hier ein sogenanntes Volumen-Modell mit allen Maßen zu erstellen. Diese digitalisierten Daten werden ebenfalls direkt an die Säge geschickt und so ein grober Körper aus dem Stein herausgesägt. Die Mitarbeiter arbeiten im Anschluss noch die Details heraus. „Früher war man nie sicher, ob das Originalstück es übersteht, wenn die Schablone für die Kopie erstellt wurde. Mit dem 3D-Scanner ist das nun berührungslos möglich. Und das ist natürlich für wertvolle, kunsthistorische Objekte sehr wichtig. Das eröffnet uns auch neue Arbeitsbereiche“, fügt der Steinmetzmeister hinzu.

Die CNC-Schneide- und Fräsmaschine im Einsatz zur Bearbeitung eines Grabsteins.

Individuelle Lösungen für Mitarbeiter

Das frühzeitige Einbinden der Mitarbeiter in die Digitalisierungsprojekte hat dafür gesorgt, dass es keine Abwehrhaltung gegenüber den neuen Technologien gab. Zwar hat sich der Arbeitsalltag von einigen Mitarbeitern geändert, aber man hat in dem Handwerksbetrieb individuelle Lösungen gefunden. „Durch die CNC-Maschine gab es eine weitere Innovation in der Firma, nämlich die Einführung der Teilzeitarbeit. Der Mitarbeiter, der die Säge bedient, musste jetzt sehr viel am PC arbeiten im Vergleich zu früher. Da das sehr viel Konzentration erfordert, war er abends total erschöpft. Nun haben wir eine Regelung gefunden, dass er seine Stunden auf 90 Prozent reduzieren konnte, um auch abends noch fit für sein Privatleben zu sein“, erzählt Hobler.

Die Mitarbeiter wurden zu dem speziellen Handling des digitalen Aufmaßgeräts oder der CNC-Schneide- und Fräsmaschine geschult. Aber auch Schulungen zu Themen, die nicht direkt die Arbeit betreffen – wie Patientenverfügung, Kommunikationstrainings – werden regelmäßig durchgeführt.

„Man kann von Unternehmensseite einiges tun, dass die Mitarbeiter offener gegenüber neuen Themen sind. Wir schulen absichtlich nicht nur zu Themen, die sich direkt auf unser Unternehmen beziehen. So bringen wir unsere Mitarbeiter regelmäßig mit dem Format der Schulungen und neuen Themen in Kontakt“, ergänzt sie.

Blog-Café Steinzeit

Unter dem Namen Blog-Café Steinzeit führt Katja Hobler zusätzlich noch einen Blog mit allen Fragen rund um die Natursteine. Sie bloggt viel über das Thema Nachhaltigkeit, stellt aber auch die Facetten des eigenen Betriebs vor. Über diesen Kanal erreichen sie viele Anfragen aus ganz Europa – besonders gefragt ist das Thema „Pflege von Natursteinen“.

„Viele Leute interessieren sich dafür, wie sie ihre Bad- oder Küchenarbeitsplatte pflegen bzw. Flecken entfernen können. Wir erhalten beispielsweise Anfragen aus Teneriffa oder Österreich. Und ich lerne auch immer etwas dazu, weil ich mich selbst zu neuen Themen informiere, bevor ich einen Blog-Beitrag verfasse. Dadurch kann ich die Kunden vor Ort auch besser beraten“, berichtet die Bloggerin.

Katja Hobler betreibt den Blog „Café Steinzeit“ mit Themen rund um die Natursteine.

Katja Hobler betreibt den Blog „Café Steinzeit“ mit Themen rund um die Natursteine.

Digitale Ausschöpfung

Nicht nur handwerkliche Arbeiten werden bei Natursteine Glöckner durch digitale Systeme vereinfacht, sondern auch die Büroabläufe. Mit einem ERP-System (Enterprise Resource Planning) werden Angebote und Rechnungen organisiert. Über ein Dokumentenmanagementsystem werden anschließend die Aufträge systematisch archiviert.

Bei dem Handwerksbetrieb hat man vor, in Zukunft noch weitere Digitalisierungsprojekte umzusetzen. Geplant sind beispielsweise Tablets für die Firmenwagen, um das Dokumentenmanagementsystem noch weiter in den Arbeitsalltag zu integrieren. Zum Beispiel sollen die Steinmetze dann direkt auf der Baustelle ihre Berichte inklusive Bildern einpflegen, ohne Medienbruch. Auch das ERP-System soll durch ein Modul mit einem Warenwirtschaftssystem ergänzt werden.

Besonders wichtig ist es in dem Betrieb jedoch, die bereits eingeführten Technologien weiter auszuschöpfen. „Unser Ziel ist es nicht, einfach neue Technologien um des Digitalisierungswillens anzuschaffen, sondern wir möchten das Potenzial der vorhandenen Technologien richtig nutzen – vor allem in Bezug auf individuelle Lösungen. Was bringt uns die beste und teuerste Software, wenn man sie nur zu einem Bruchteil nutzt“, fasst Glöckner zusammen.
Der Steinmetz empfiehlt seinen Kollegen aus dem Handwerk, auch mit Digitalisierung zu beginnen, „denn sonst wird man von den Betrieben abgehängt, die die Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpfen.“ Auf das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern ist der Steinmetzmeister auf verschiedenen Veranstaltungen aufmerksam geworden, beispielsweise bei der Handwerkskammer des Saarlandes. Er beschreibt die Kompetenzzentren als „eine tolle Sache, um das Handwerk bei der digitalen Transformation zu unterstützen.“


Über das Unternehmen: Steinmetz- und Restaurationswerkstatt Natursteine Glöckner

Werkzeuge zur klassischen Steinbearbeitung.

Werkzeuge zur klassischen Steinbearbeitung.

Der Steinmetzmeister geht seinem Handwerk nach.

Der Steinmetzmeister geht seinem Handwerk nach.

Unternehmenssitz: Neunkirchen
Mitarbeiter: 27
Gegründet: 1967

Die Steinbildhauerei Glöckner wurde von Werner Glöckner in Neunkirchen-Hangard gegründet. 1993 übernahm sein Sohn Markus, selbst Meister im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk, die Firma, die sich seitdem „Markus Glöckner Natursteine“ nennt. Markus Glöckner ist staatlich geprüfter Restaurator im Handwerk und einer der wenigen geprüften Restauratoren im Steinmetzhandwerk im Saarland. Zu den Leistungen des Betriebs zählen: Restaurierung, Fassadengestaltung, Bauen mit Naturstein, Schöne Grabmale, Reinigung & Pflege, historische Baustoffe & mehr. In dem Wettbewerb um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2018 ist der Steinmetzbetrieb unter den TOP 3-Nominierten in der Kategorie KMU.
www.natursteine-gloeckner.de

Autorin: Fabienne Bosle