BEST PRACTICE

Datenvernetzung in Produktion, Konstruktion und Vertrieb

Geschäftsführer von POLY-TOOLS

POLY-TOOLS bennewart GmbH involviert alle Unternehmensbereiche in Digitalprojekte

Ein Blick in die Fertigung des Blaswerkzeugherstellers „POLY-TOOLS“ aus der Südwestpfalz. 
Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell


Ein Blick in die Fertigung des Blaswerkzeugherstellers „POLY-TOOLS“ aus der Südwestpfalz. 
Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell

Geschäftsführer von POLY-TOOLS bennewart GmbH, Arnold Schura (rechts), zusammen mit dem Leiter des Qualitätsmanagements, Jürgen Oppermann (links).

Geschäftsführer von POLY-TOOLS bennewart GmbH, Arnold Schura (rechts), zusammen mit dem Leiter des Qualitätsmanagements, Jürgen Oppermann (links).

Das Unternehmen aus Donsieders in der Nähe von Kaiserslautern und Primasens ist in einem sehr speziellen Markt tätig – dem Blasformenbau oder auch Blaswerkzeugbau genannt. Individuelle Formen für Kanister im Bereich von 3 Liter bis 30 Liter gehören zu dem Hauptgeschäft der POLY-TOOLS bennewart GmbH. „Deutschlandweit gibt es nur wenige Hersteller von Blaswerkzeugen. Der Grund dafür ist, dass aufwendige Einzelanfertigungen nach den Wünschen der Kunden herstellt werden, für die sehr viel Know-how benötigt wird“, so Arnold Schura, Geschäftsführer von POLY-TOOLS.

Schura hat die Vision einer papierlosen Fertigung. Dadurch möchte er Zeit und Ressourcen beim Herstellen der Blasformen sparen. „Das ist kein Selbstzweck, sondern Digitalisierung bedeutet Effizienzsteigerung. Wir gehen mit der Zeit und optimieren so unsere Prozesse. In unserer Branche gehören wir zu den Vorreitern in Sachen Digitalisierung“, erläutert er.

Kanister-Varianten, die durch die Blaswerkzeuge von POLY-TOOLS hergestellt werden.

Kanister-Varianten, die durch die Blaswerkzeuge von POLY-TOOLS hergestellt werden.


Datenauswertung in der Produktion und Vernetzung mit Konstruktion

Laut dem Leiter des Qualitätsmanagements von POLY-TOOLS, Jürgen Oppermann, spielt eine besonders wichtige Rolle die Datenanalyse in der Produktion – also dass Maschinendaten ausgewertet werden. „Somit resümieren wir, wie es insgesamt in der Firma läuft. Auch Verbesserungspotenziale werden durch die Datenauswertung erkannt“, so Oppermann.

Eines der ersten Digitalisierungsprojekte im Unternehmen bestand aus der Einführung eines ERP-Systems zur Produktionsplanung sowie der Betriebsdatenerfassung (BDE). Die Mitarbeiter bekommen nun ihre Arbeitsaufträge über Bildschirme – sogenannte Terminals – angezeigt. „Wenn ein Mitarbeiter mit einem Auftrag fertig ist, dann schließt er ihn am Terminal mit einem Klick ab und bekommt den nächsten Auftrag angezeigt. Das Produktionsplanungssystem weist den Aufträgen verschiedene Prioritäten nach Dringlichkeit zu und entsprechend wird der dringendste Auftrag dem Mitarbeiter vorgelegt“, beschreibt Schura. „Wir versuchen auch bestimmte Planzeiten für die Aufträge einzuhalten, was ebenfalls über das Terminal getrackt wird. Die Mitarbeiter können rückmelden, warum beispielsweise eine Planzeit nicht eingehalten wurde. Dadurch lernen wir für zukünftige Aufträge dazu und optimieren unsere Prozesse“, ergänzt Oppermann.

Terminal in der Fertigung mit Auftragsdaten.

Terminal in der Fertigung mit Auftragsdaten.

Datenerfassung des Blaswerkzeugs in der Produktion.

Datenerfassung des Blaswerkzeugs in der Produktion.

Nicht nur die Datenerfassung ist von hoher Relevanz, sondern auch die Vernetzung der Daten von Konstruktion und Produktion. Oppermann beschreibt eine alltägliche Situation bei POLY-TOOLS: „Während der Produktionsphase eines Blaswerkzeuges erhalten wir häufig noch Änderungswünsche vom Kunden. Daher muss die Datenvernetzung von Konstruktion zu Produktion sichergestellt sein. Die betroffenen Mitarbeiter müssen jederzeit die aktuellen Daten eines Auftrags einsehen können.“

Im Konstruktionsbüro werden die Produktdaten für die Fertigung erzeugt.
Im Konstruktionsbüro werden die Produktdaten für die Fertigung erzeugt.

Im Konstruktionsbüro werden die Produktdaten für die Fertigung erzeugt.


CRM-System, individueller Produktkonfigurator und Product-Lifecycle-Management

Ein weiteres Programm, das im Vertrieb von POLY-TOOLS eingeführt werden soll, ist ein CRM-System (Customer-Relationship-Management). Darin sollen alle Interaktionen mit den Kunden systematisch eingepflegt werden, um die Beziehungen zum Kunden zu verbessern.

Außerdem ist geplant, einen Online-Produktkonfigurator anzubieten, sodass sich ein Kunde über die Unternehmenswebsite sein individuelles Werkzeug zusammenstellen kann. „Der Produktkonfigurator ist ein Projekt, das zwischen dem Vertrieb und der Konstruktion angesiedelt ist. Die Kunden bestellen online ihr Blaswerkzeug und die konfigurierten Daten gelangen direkt in die Konstruktion, wo die finalen Zeichnungen für die Produktion entstehen“, erläutert Schura.

Endkontrolle des Blaswerkzeugs durch eine 3D-Koordinaten-Messmaschine.

Endkontrolle des Blaswerkzeugs durch eine 3D-Koordinaten-Messmaschine.

Zukünftig sollen auch alle Informationen zu einem Auftrag nach dem Konzept des Product-Lifecycle-Management (PLM) zentral gesammelt werden. „Die ganzen Daten, die wir heute erzeugen – vom Angebot über den konkreten Auftrag bis zum Lebenslauf des Werkzeugs inklusive Reparaturen und Wartungen – sollen digital in einem PLM-System abgelegt werden“, so Schura weiter. Dadurch sollen beispielsweise anstehende Wartungstermine systematisch mit den Kunden vereinbart werden können und die Prozesse insgesamt schlanker werden.


Mitarbeiterakzeptanz in allen Unternehmensbereichen

Bei POLY-TOOLS gibt es ein bereichsübergreifendes Team, das für den Anstoß von Digitalisierungsideen zuständig ist. Jürgen Oppermann ist Leiter dieses Teams. Im Anschluss an die Ideenfindung werden die direkt betroffenen Unternehmensbereiche miteinbezogen und führen die Themen eigenverantwortlich fort. So wird zum Beispiel die Einführung eines CRM-Systems von einem Projektmanager aus dem Vertrieb geleitet. „Es ist uns wichtig, diejenigen Mitarbeiter, die mit der neuen Lösung arbeiten sollen, von Anfang an miteinzubeziehen. Wenn sie in ein Digitalisierungsprojekt direkt involviert sind und bei der Umsetzung unterstützen, dann ist die Akzeptanz deutlich besser“, beschreibt Oppermann.

 Endmontage des Blaswerkzeugs.

Endmontage des Blaswerkzeugs.

Es wurden auch einige Mitarbeiterschulungen gehalten, um beispielsweise den Umgang und den Vorteil der Terminals in der Produktion zu erläutern. „Mit solchen Schulungen wollen wir den Mitarbeitern die Angst nehmen und ihnen vermitteln, dass sie nicht durch Computer ersetzt werden. Die digitalen Technologien sollen die Arbeit erleichtern und als Unterstützung dienen“, so Oppermann weiter.

Der Geschäftsführer von POLY-TOOLS ist sich ebenfalls sicher, dass für eine erfolgreiche Umsetzung von Digitalisierungsprojekten nicht nur die Leitungsebene von dem Thema überzeugt sein muss, sondern dass engagierte Mitarbeiter die Basis bilden, um die Projekte voranzutreiben.

Prozessaufnahme als ersten Schritt zur Digitalisierung

 Fräsköpfe für die Produktionsmaschinen von POLY-TOOLS.

Fräsköpfe für die Produktionsmaschinen von POLY-TOOLS.

Gemeinsam mit den Experten des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Kaiserslautern hat POLY-TOOLS in einer Ideenwerkstatt und Projektbegleitung an der Optimierung der Firmenprozesse gearbeitet. Speziell handelt es sich dabei um den Prozess des Auftragseingangs. „Häufig erteilt der Kunde einen sehr vagen Auftrag, wie sein Blaswerkzeug aussehen soll – viele Abstimmungsschleifen sind nötig, um die finalen Details zu klären und die Anforderungen an das Werkzeug zu konkretisieren. Und genau diesen Prozess möchten wir systematisieren, um den Auftrag für alle Abteilungen – auch die Konstruktion – von Anfang an klar zu definieren“, erklärt Oppermann. „Jeder Mitarbeiter soll ein klares Verständnis davon haben, wie der Auftrag zu verstehen und umzusetzen ist.
Das Kompetenzzentrum kam vor allem als Motivator und Ideengeber zum Einsatz. Wir wussten schon länger, was wir gerne verbessern wollen, aber ein Anstoß von außen ist oftmals sehr hilfreich – auch was die Mitarbeiter betrifft“, so Schura.

Wie auch bei anderen Digitalisierungsprojekten von POLY-TOOLS war ein großes Team in die Ideenwerkstatt involviert – von Vertrieb über Konstruktion, Qualitätsmanagement bis hin zu IT. Das Kompetenzzentrum Kaiserslautern hat den Austausch moderiert und Denkanstöße gegeben.


Über das Unternehmen: POLY-TOOLS bennewart GmbH

Unternehmenssitz: Donsieders
Mitarbeiter: 96
Gegründet: 1967

Die POLY-TOOLS bennewart GmbH ist einer der führenden Werkzeugbauer für Blasformen in Europa. Das Unternehmen sieht seine Aufgabe darin, den Kunden ein beständiger und sachkundiger Partner in Sachen Blaswerkzeuge, Spritzblaswerkzeuge und Spritzgießwerkzeuge zu sein. Die Leistungen von POLY-TOOLS beinhalten neben dem Produktdesign und der Prototypengestaltung die konstruktive Entwicklung von Form und Werkzeug, sowie die Produktion der Werkzeuge.
www.poly-tools-bennewart.de

Autorin: Fabienne Bosle