BEST PRACTICE

App zur Prozessoptimierung im Speditionsgewerbe

Die Geschäftsführung der Spedition Mayer, Anke Mayer und Heinz-Joachim Mayer, auf dem Werksgelände in Zweibrücken.

Netzwerk mit anderen Spediteuren spornt die Gebrüder Mayer GmbH & Co. KG zur digitalen Transformation an

Der Fuhrpark der mittelständischen Spedition Gebrüder Mayer GmbH & Co. KG besteht aus über 40 Fahrzeugen. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell

Der Fuhrpark der mittelständischen Spedition Gebrüder Mayer GmbH & Co. KG besteht aus über 40 Fahrzeugen. Fotos: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern / A. Sell

Die Geschäftsführung der Spedition Mayer, Anke Mayer und Heinz-Joachim Mayer, auf dem Werksgelände in Zweibrücken.

Die Geschäftsführung der Spedition Mayer, Anke Mayer und Heinz-Joachim Mayer, auf dem Werksgelände in Zweibrücken.

Bei der Spedition Mayer geht man mit der Zeit und darum spielen Digitalisierung und Industrie 4.0 in dem Logistikunternehmen aus Zweibrücken eine wichtige Rolle. Mitinhaberin Anke Mayer betont die Relevanz dieses Zukunftsthemas für das Tagesgeschäft: „Wir sind Teil eines Speditions-Netzwerks, das gewisse Anforderungen stellt, die wir nur durch Digitalisierung erfüllen können. Um mit unseren Partnern und Kunden interagieren zu können, müssen wir auf dem aktuellen Stand der Technik sein.“

Das Netzwerk, von dem die Rede ist, ist die Stückgutkooperation CTL (Cargo Trans Logistik AG), die aus 130 mittelständigen Spediteuren in Europa besteht. Ziel ist es, ein europaweites Stückgut- und Teilladungsnetz zu unterhalten, um als Mittelständler gegenüber den großen global agierenden Unternehmen am Markt bestehen zu können. Die Spedition Mayer ist für die Region Saarland und Westpfalz zuständig und hat drei ihrer 40 Fahrzeuge dafür eingebunden. Geschäftsführer Heinz-Joachim Mayer beschreibt die Kooperation: „Wir geben unsere Sendungen in das System ein und die Partner liefern für uns in ihrer Region – ob in Berlin, Hamburg oder München – die Ware aus. Im Gegenzug nehmen wir an den Umschlagsplätzen die Ware der Partner in Empfang und verteilen diese hier in der Westpfalz und im Saarland.“

Die Spedition betreibt bereits seit 15 Jahren Digitalisierung, „aber ohne das Wort benutzt zu haben“, ergänzt Heinz-Joachim Mayer. „Einfach weil wir seitdem in dieser Kooperation integriert sind und diese uns das Thema vorlebt. Beispielsweise werden verschiedene Daten in dem Netzwerk digital übermittelt, weil es die Organisation der Partner erleichtert“, fügt er hinzu.

LKW beim Beladen der Ware zum Ausliefern.

LKW beim Beladen der Ware zum Ausliefern.

Blick in die Speditionshalle bei Gebrüder Mayer.

Blick in die Speditionshalle bei Gebrüder Mayer.

Datenerfassung durch Scanner und App

Eine Art der Datenerfassung bei Gebrüder Mayer erfolgt über ein Scan-Gerät, mit dem die Ware bei Eingang und Ausgang erfasst wird. Durch das Scannen wird die Ware im System des Unternehmens registriert und es wird festgehalten, ob sie beschädigt ist. Anschließend wird sie in der Speditionshalle für die weitere Auslieferung vorbereitet.

„Durch die Scannung wird deutlich, welche Ware auf das Fahrzeug Richtung Saarbrücken oder Richtung Kaiserslautern muss. Für uns ist es von großer Bedeutung zu wissen, wo sich die Ware zu jeder Zeit befindet“, erläutert Anke Mayer.

Scanner-Tool zur Warenerfassung bei der Spedition Mayer.
Scanner-Tool zur Warenerfassung bei der Spedition Mayer.

Scanner-Tool zur Warenerfassung bei der Spedition Mayer.

Ebenso werden bei Gebrüder Mayer Daten zur Auftragsübersicht mit einer App auf dem Smartphone gespeichert. Ab dem Zeitpunkt, an dem sich die Ware auf dem Fahrzeug befindet, kommt die App ins Spiel. Diese Speditionsapp war das erste Digitalisierungsprojekt von Gebrüder Mayer. Sie ermöglicht, verschiedene Daten zur Ware und zum Fahrer digital zu speichern. Die Fahrer erhalten zum Beispiel die Routeninformationen direkt über die App, ihre Pausenzeiten erfassen sie darüber und die Kunden unterschreiben bei der Übergabe der Ware ebenso auf dem Smartphone.

„Früher erfolgte die Warenauslieferung klassisch auf Papier – sowohl die Routen als auch die Lieferscheine und Unterschriften bei Abgabe der Ware. Heute gibt es die digitale Unterschrift. Somit werden die Daten direkt an uns und alle, die an der Transportkette beteiligt sind, übermittelt. Der Absender, die Kooperationspartner oder wir als Spediteur können jederzeit nachschauen, wann die Sendung zugestellt wurde und ob alles in Ordnung war“, so Anke Mayer.

Durch dieses Tool und die digital erfassten Daten kann der gesamte Ablauf im Speditionsalltag besser geplant und kontrolliert werden. Gebrüder Mayer schafft es, den Überblick über die Aufträge der einzelnen Fahrzeuge zu behalten. Die digitale Datenerfassung trägt folglich zur Prozessoptimierung bei.

Digitale Datenerfassung im Speditionsalltag durch eine App auf dem Smartphone.
Digitale Datenerfassung im Speditionsalltag (Büro) durch eine App auf dem Smartphone.

Digitale Datenerfassung im Speditionsalltag durch eine App auf dem Smartphone.

Mitarbeiterakzeptanz durch Erklär-Video

Um die Mitarbeiterakzeptanz zur Verwendung der Speditionsapp noch weiter zu steigern, setzt Gebrüder Mayer auf ein Erklär-Video, in dem ein Fahrer die App in seinem Berufsalltag erfolgreich einsetzt. Zum einen werden die einzelnen Schritte in dem Film erklärt, die der Fahrer auf der App zu erledigen hat, z.B. seine Pausenzeiten eingeben oder die Kunden unterschreiben lassen. Das kurze Video von zirka 2 Minuten kann von den Fahrern jederzeit auf dem Smartphone angeschaut werden, falls sie unsicher sind, wie eine Eingabe über die App funktioniert. Abgesehen davon soll der Film den Fahrern vor allem verdeutlichen, dass die App ein Hilfsmittel ist und die Arbeit erleichtert. Der Fahrer im Film dient als Vorbild für die anderen, denn er zeigt, wie die App im Alltag unterstützen kann. Dadurch wird Akzeptanz für die App geschaffen.

„Das Besondere ist, dass ein Fahrer selbst die App erklärt und sie mit Begeisterung einsetzt. Nicht wir von der Geschäftsführung fordern den Einsatz des Tools, sondern ein vorbildlicher Fahrer lebt die Tätigkeiten mit der App vor. Somit werden auch die anderen Fahrer offener gegenüber neuen Technologien“, berichtet Anke Mayer.

Die Zukunftsvision vom Online-Shop im Speditionsgewerbe

Ein weiteres Ziel der ambitionierten Geschäftsführung ist es, dass nicht nur die internen Daten digital erfasst werden, sondern dass auch die Kunden des Logistikunternehmens ihre Wareninformationen digital übermitteln, wie in einem Online-Shop. „Momentan bekommen wir von unseren Kunden die Informationen zur Ware in Papierform. Der Prozess wäre stark optimiert und wir könnten die Routen einfacher planen, wenn uns die Daten früher und vor allem digital zur Verfügung stehen würden“, so Anke Mayer.

Digitalisierung als Zukunftssicherung für mittelständische Unternehmen

Mitarbeiterin der Spedition beim Brainstorming während der Ideenwerkstatt mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern.

Mitarbeiterin der Spedition beim Brainstorming während der Ideenwerkstatt mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern.

Die Mitinhaberin der Spedition Mayer rät anderen Mittelständlern aus der Region, offen gegenüber den Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 zu sein, um so die Zukunft ihrer Unternehmen zu sichern. „KMUs müssen digitaler werden, um weiterhin im Wettbewerb und auf dem Markt für Kunden attraktiv zu bleiben“, sagt Anke Mayer.

Der Kontakt zum Mittelstand 4.0-Komptenzzentrum ist durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Zweibrücken/Pirmasens entstanden. Im Zuge eines Besuchs hat Anke Mayer das Democenter, die SmartFactoryKL, besichtigt und konnte Industrie 4.0 in der Anwendung erleben. Im Anschluss fand eine gemeinsame Ideenwerkstatt zwischen Gebrüder Mayer und dem Kompetenzzentrum Kaiserslautern statt, bei der weitere Möglichkeiten der Digitalisierung im Speditionsgewerbe ausgearbeitet wurden. Zudem haben die Experten des Kompetenzzentrums eine Mitarbeiterschulung zur Speditions-App durchgeführt und bei unterschiedlichen Spracheinstellung der App unterstützt.


Über das Unternehmen: Gebrüder Mayer GmbH & Co. KG

Aufladen von Paletten für die Auslieferung.

Aufladen von Paletten für die Auslieferung.

Unternehmenssitz: Zweibrücken
Mitarbeiter: 82
Gegründet: 1912

Die Spedition Mayer ist ein mittelständisches Logistikunternehmen, das in folgenden Geschäftsfeldern tätig ist: Logistik, europaweite Stückgutverkehre, Teil- und Komplettladungen, Volumentransporte, Lagerhaltung und Luftfracht. Für den Transport der Waren steht dem Unternehmen ein moderner Fuhrpark bestehend aus über 40 eigenen Fahrzeugen zur Verfügung. Der Lagerkomplex besteht aus rund 1500 Paletten-Stellplätzen sowie einem 1.000 m² Blocklager.
www.spedition-mayer.de

Autorin: Fabienne Bosle